In der Ausstellung „No Sorrows, Just Meow-Meows“ widmen sich die Künstlerinnen Sevina Tzanou, Zoe Thomas und Rebekka Benzenberg den drängenden Fragen von weiblicher Selbstinszenierung, Körperidealen und psychischer Gesundheit. Ihre Arbeiten reichen von Malerei und Skulptur bis zu Sound, Video und Animation. Die gemeinsame Präsentation öffnet einen Raum der gedanklichen und ästhetischen Auseinandersetzung mit Zuständen individueller und gesellschaftlicher Überforderung. Druck zur Selbstoptimierung, digitale Selbstvermessung und die daraus resultierenden Spannungen zwischen Körper, Bild und Identität werden kritisch reflektiert. Was bedeutet es, als Frau in einer Welt zu leben, in der Sichtbarkeit und Produktivität als Maßstab für Wert gelten? Wie wirken sich kapitalistische Leistungsnormen auf psychische Zustände aus? Und wie kann sich Kunst dazu verhalten, wenn sowohl die Persona der Künstlerin als auch ihre Motivwelt kunsthistorisch dergestalt aufgeladen erscheinen, dass jedes Bild zum Ausdruck einer Haltung werden muss.
In ihren glitzernden Acryl- und Ölgemälden, durchsetzt mit feministischen und queeren Symbolen, setzt sich Sevina Tzanou mit der Figur der „Katzenfrau“ auseinander – einer weiblich konnotierten Projektionsfläche zwischen Fürsorge, Exzentrik und Isolation. Der Ausstellungstitel stammt aus einem persönlichen Notizbuch, das in einer Phase tiefer Erschöpfung entstand: „No Sorrows, Just Meow-Meows“ ist sowohl ironischer Rückzug als auch empowernde Selbstermächtigung. Tzanou versteht Depression nicht als individuelles Versagen, sondern als legitimen Rückzug aus einem überfordernden System. Die Katze wird dabei zur Verbündeten, zur Ikone der Gelassenheit – ein Tier, das sich würdevoll dem Müßiggang hingibt. Ihre Arbeiten feiern diesen Zustand bewusst: mit Glitzer, Ironie und Pole-Dance-Stangen als Bildträgern inmitten des Ausstellungsraums. Es geht um die Rückeroberung eines Raums, in dem Selbstfürsorge vor Produktivität steht – und in dem das „Miauen“ zur subversiven Geste wird.
„No Sorrows, Just Meow-Meows“ ist keine Ausstellung über Depression im klassischen Sinne. Vielmehr geht es um das Sichtbarmachen psychischer Zustände als Reaktion auf übersteigerte gesellschaftliche Erwartungen – insbesondere an Frauen und marginalisierte Körper. Die Künstlerinnen Sevina Tzanou, Rebekka Benzenberg und Zoe Thomas zeigen in ihren jeweils eigenen, kraftvollen Bildsprachen, wie sich Körper unter digitalen, sozialen und ökonomischen Bedingungen verändern – oder verweigern. Die Ausstellung lädt dazu ein, innezuhalten, sich zu hinterfragen und vielleicht selbst kurz liegen zu bleiben.
Excerpt Johanna Adam